Bestimmt allein der Kontext von Kunst – was Kunst ist? Hartnäckig wird Marcel Duchamp zugutegehalten oder vorgeworfen, den Weg zu einem großen Ja auf diese Frage freigeräumt zu haben. Mit Duchamps eigenen Überlegungen und Experimenten zur Kunst und, mehr noch, zur Nichtkunst hat dieser Weg aber kaum etwas gemein. Die Theorie und Praxis der Readymades sowie die Experimente mit Schrift, Intervallen, Zeit, Autorschaft, Zufall, Spiel, Material und Erotik erkunden vielmehr Felder und Gebiete einer dynamischen Indifferenz, in denen die konzeptuellen Umrisse der genannten Elemente ins Schlingern geraten, beweglich werden, zum Fort- und Weiterdenken Anlass geben. Nach Duchamp diesen Erkundungen zu folgen, heißt am Ende auch: Vergessen, was unter dem Namen ›Duchamp‹ längst zu Gemeinplätzen der Kunsttheorie verkommen ist. Und: Lernen, was nach einer kunsttheoretischen Fixierung auf Autorschaft und Künstlertum sowie auf Institutionen und Kontexte eine Erfahrung der Indifferenz bedeuten könnte.